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Methodik

Schweregrade: was bei uns kritisch, schwer, mittel oder leicht heißt

Ein Befund allein sagt noch nicht, was zuerst zu tun ist. Deshalb bekommt jeder Befund einen Schweregrad, der die Wirkung auf betroffene Nutzerinnen und Nutzer abbildet. Diese Seite listet alle 25 Prüfungen mit ihrer Einstufung und der Begründung. Sie ist nicht abgetippt, sondern wird aus derselben Tabelle erzeugt, aus der die Engine den Schweregrad in den Befund schreibt.

Ein Schweregrad ist kein Konformitätsurteil

Konformität ist pro Erfolgskriterium binär: erfüllt oder nicht erfüllt. Eine Seite, auf der nur „leichte“ Befunde stehen, ist für jedes dabei verletzte Kriterium trotzdem nicht konform. Der Schweregrad ordnet die Arbeit, er ersetzt keine Bewertung nach EN 301 549.

Die vier Stufen

  • Kritisch

    1 Prüfungen

    Die Barriere hindert betroffene Nutzende daran, die Aufgabe überhaupt abzuschließen. Auf der Seite selbst gibt es keinen Ausweg: der Fokus sitzt fest, ein Element lässt sich nicht bedienen, nötige Inhalte sind unerreichbar.

    Gewicht im Score: 10

  • Schwer

    15 Prüfungen

    Die Aufgabe bleibt möglich, aber die Barriere nimmt einen normalen Weg dorthin: Inhalt oder Zustand kommt bei assistiver Technologie nicht an, ein Element ist nicht auf dem üblichen Weg erreichbar, oder Inhalt geht bei einer Anpassung verloren, die der Standard zusichert.

    Gewicht im Score: 5

  • Mittel

    9 Prüfungen

    Die Aufgabe gelingt, aber mit vermeidbarem Aufwand oder Unsicherheit: Informationen kommen in unpassender Reihenfolge, eine Beschriftung passt nicht zur Ansage, eine Fehlermeldung benennt das Problem, ohne den Weg heraus zu zeigen.

    Gewicht im Score: 2

Der vollständige Katalog

Jede Zeile ist eine Prüfung, die die Engine ausführt, mit der Analyse-Ebene, dem geprüften WCAG-Kriterium und der Begründung für die Einstufung.

Kritisch

Prüfungen der Stufe Kritisch
Was geprüft wirdEbeneKriteriumWarum diese Stufe
Der Tastaturfokus gerät in einen Bereich und kommt mit Tab, Shift-Tab oder Escape nicht mehr heraus.Ebene 2Tastatur2.1.2No Keyboard TrapWer die Tastatur benutzt, steckt auf der Seite fest und kommt nicht weiter. Alles Folgende ist danach unerreichbar, das ist die Definition von blockierend.

Schwer

Prüfungen der Stufe Schwer
Was geprüft wirdEbeneKriteriumWarum diese Stufe
Ein Bedienelement wird von der Tab-Reihenfolge nie erreicht oder liegt unter aria-hidden und bleibt trotzdem fokussierbar.Ebene 2Tastatur2.1.1KeyboardDas Element ist ohne Maus unbenutzbar, der Rest der Seite funktioniert aber weiter, sodass die Aufgabe oft über einen anderen Weg gelingt.
Beim Fokussieren ändert sich optisch fast nichts, die Fokusposition ist also nicht erkennbar.Ebene 2Tastatur2.4.7Focus VisibleBedienbar bleibt es technisch, aber blind über eine Seite zu navigieren, auf der die eigene Position unsichtbar ist, nimmt einen normalen Weg weg, es ist keine Kosmetik.
Im fokussierten Zustand liegt das Element vollständig hinter fixierten oder überlagernden Inhalten.focused control fully coveredEbene 2Tastatur2.4.11Focus Not Obscured (Minimum)Der Fokus steht auf etwas Unsichtbarem, praktisch dieselbe Wirkung wie ein fehlender Fokusindikator.
Der Alternativtext eines Bildes fehlt oder gibt nicht wieder, was das Bild beiträgt.Ebene 3KI-Sichtprüfung1.1.1Non-text ContentDie Information im Bild kommt für alle, die es nicht sehen, gar nicht an. Das nimmt einen Weg zum Inhalt, statt ihn nur zu erschweren.
Die Reihenfolge, in der Inhalte angekündigt werden, weicht von der visuellen Lesereihenfolge ab.Ebene 3KI-Sichtprüfung1.3.2Meaningful SequenceDie Seite wird in einer Abfolge vorgelesen, die ihren Sinn nicht trägt, das Verständnis bricht, obwohl jedes Element vorhanden ist.
Sichtprüfung eines Fokusindikators, den die Tastatur-Ebene als zweifelhaft gemessen hat (2.4.7 oder 2.4.11, je nach Beleg).inherits the severity of the keyboard observation it was asked to judgeEbene 3KI-Sichtprüfungje nach BefundDiese Prüfung erfindet keine Stufe: sie bestätigt oder entkräftet eine bestehende Tastatur-Beobachtung und übernimmt deren Schweregrad.
Bei 320 CSS-Pixeln Breite muss man in beide Richtungen scrollen, um den Inhalt zu lesen.Ebene 4Adaption1.4.10ReflowAm Telefon oder bei starkem Zoom heißt Lesen, dem Text Zeile für Zeile seitwärts hinterherzuscrollen: ein normaler Weg zum Inhalt fällt weg.
Bei 200 Prozent Textgröße wird Inhalt abgeschnitten, überlappt oder verschwindet.Ebene 4Adaption1.4.4Resize TextWer größere Schrift braucht, verliert Inhalt, und Vergrößern ist genau die Anpassung, die das Kriterium zusichert.
Die Seite unterbindet das Zoomen, etwa über user-scalable=no oder ein maximum-scale unter 2.Ebene 4Adaption1.4.4Resize TextDie Anpassung ist nicht nur kaputt, sie ist abgeschaltet: der Versuch zu vergrößern ist gar nicht erst möglich.
Inhalt ist ohne zwingenden Grund auf eine Bildschirmausrichtung festgelegt.Ebene 4Adaption1.3.4OrientationWessen Gerät fest in der anderen Ausrichtung montiert ist, etwa am Rollstuhl, kann den Inhalt gar nicht nutzen.
Ein Bedienelement kommt im aufgelösten Accessibility-Tree ohne zugänglichen Namen an.Ebene 5Accessibility-Tree4.1.2Name, Role, ValueDer Screenreader kündigt das Element an, ohne zu sagen, wofür es da ist, die Bedienung wird zum Raten.
Ein Bedienelement gibt seinen Zustand (aufgeklappt, angehakt, ausgewählt) im Baum nicht preis.Ebene 5Accessibility-Tree4.1.2Name, Role, ValueMan kann nicht erkennen, was das Element gerade tut, damit fehlt die Rückmeldung, die es bedienbar macht.
Ein Element ist per Maus bedienbar, erreicht den Baum aber nur als generischer Knoten oder gar nicht.Ebene 5Accessibility-Tree1.3.1Info and RelationshipsFür assistive Technologie existiert das Element nicht: unsichtbar genau in der Ebene, die Struktur vermittelt.
Eine Status- oder Fehlermeldung erscheint ohne Live-Region-Semantik.Ebene 6Dynamische Inhalte4.1.3Status MessagesWer nicht genau dorthin schaut, erfährt das Ergebnis der eigenen Aktion nie, das bricht den Ablauf lautlos.
Ein Validierungsfehler ist nicht als Text benannt oder nicht programmatisch mit seinem Feld verbunden.Ebene 6Dynamische Inhalte3.3.1Error IdentificationDas Formular geht nicht ab und man kann nicht herausfinden, welches Feld falsch ist: die Aufgabe bleibt stehen.

Mittel

Prüfungen der Stufe Mittel
Was geprüft wirdEbeneKriteriumWarum diese Stufe
Im fokussierten Zustand wird ein Teil des Elements von überlagerndem Inhalt verdeckt.focused control partly coveredEbene 2Tastatur2.4.11Focus Not Obscured (Minimum)Meist bleibt genug sichtbar, um die Orientierung zu halten, das behindert also, statt zu blockieren.
Ein positiver tabindex überschreibt die natürliche Reihenfolge, oder der Fokus springt gegen die Leserichtung weit zurück.Ebene 2Tastatur2.4.3Focus OrderErreichbar bleibt alles, die Reihenfolge verwirrt nur: Mehraufwand, keine blockierte Aufgabe.
Link- oder Button-Text sagt aus sich heraus nicht, wohin er führt oder was er auslöst.Ebene 3KI-Sichtprüfung2.4.4Link Purpose (In Context)Das Ziel bleibt erreichbar, es braucht nur den Kontext drumherum: Reibung statt blockierter Aufgabe.
Mit den WCAG-Textabständen überschrieben, wird Text abgeschnitten oder überlappt.Ebene 4Adaption1.4.12Text SpacingDie Lesbarkeit leidet und einzelne Stellen können unlesbar werden, die Seite bleibt aber in der Regel bedienbar.
Inhalt, der bei Hover oder Fokus erscheint, lässt sich nicht schließen, nicht selbst überfahren oder verschwindet zu früh.Ebene 4Adaption1.4.13Content on Hover or FocusDie Information ist erreichbar, aber schwer auf dem Schirm zu halten: das behindert, statt zu blockieren.
Die sichtbare Beschriftung steckt nicht im zugänglichen Namen.Ebene 5Accessibility-Tree2.5.3Label in NameSprachsteuerung kann an der sichtbaren Formulierung scheitern, und die Ansage weicht vom Bildschirm ab: meist verwirrend statt blockierend.
Die Reihenfolge im Accessibility-Tree weicht von der visuellen Reihenfolge ab.Ebene 5Accessibility-Tree1.3.2Meaningful SequenceInhalte kommen in einer unerwarteten Abfolge an: das Verständnis leidet, vorhanden sind die Elemente aber alle.
Eine Live-Region wird samt fertigem Text neu in das DOM eingefügt.Ebene 6Dynamische Inhalte4.1.3Status MessagesJe nach assistiver Technologie wird die Meldung angesagt oder nicht: unzuverlässig statt sicher verpasst.
Ein benannter Fehler sagt nicht, wie er zu beheben ist.Ebene 6Dynamische Inhalte3.3.3Error SuggestionMan weiß, wo das Problem liegt, und kann es durch Ausprobieren lösen: Mehraufwand, keine Sackgasse.

Ebene 1: warum dort kein eigener Katalog steht

Die Regel-Ebene führt axe-core mit rund siebzig Regeln für WCAG A und AA aus und übernimmt deren Einstufung unverändert (critical, serious, moderate, minor). Das ist Absicht: axe pflegt seine Skala an derselben Frage nach der Nutzerwirkung, und eine eigene Bewertung je Regel wäre eine Abspaltung, die mit jedem Update auseinanderläuft. Trägt ein Ergebnis gar keine Einstufung, ordnen wir es als mittel ein, statt es fallen zu lassen.

Schweregrad ist nicht Konfidenz

Der Schweregrad sagt, wie schlimm es ist, wenn der Befund zutrifft. Die Konfidenz sagt, wie sicher wir sind, dass er zutrifft. Beides sind getrennte Achsen: über die menschliche Prüfung entscheidet allein die Konfidenz, nie der Schweregrad. Ein kritischer Befund mit klarer Beleglage wird automatisch übernommen, ein leichter mit unklarer Lage geht in die Prüfung.

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