Zum Inhalt springen

Glossar

Glossar der digitalen Barrierefreiheit

Die wichtigsten Begriffe rund um BFSG, European Accessibility Act, WCAG und EN 301 549 — kurz und verständlich erklärt.

Accessibility-Overlay (Widget)

Ein Accessibility-Overlay ist ein JavaScript-Widget, das eine Website zur Laufzeit im Browser anzupassen verspricht. Die Europäische Kommission und Fachverbände haben klargestellt, dass Overlays keine rechtliche Konformität herstellen.

Percelia ist bewusst kein Overlay: Wir liefern echte Befunde und Quellcode-Fixes statt einer Laufzeit-Schicht.

Verwandte Begriffe: Digitale Barrierefreiheit, Konformitätserklärung

Mehr dazu im Ratgeber: Overlays vs. echtes Audit — warum Widgets rechtlich riskant sind

Alternativtext (Alt-Text)

Der Alternativtext beschreibt den Inhalt oder die Funktion eines Bildes in Worten, damit Screenreader ihn vorlesen können (WCAG 1.1.1). Rein dekorative Bilder erhalten einen leeren Alt-Text, damit assistive Technologie sie überspringt.

Ob ein Alt-Text vorhanden ist, lässt sich automatisch prüfen — ob er sinnvoll ist, braucht menschliches oder KI-gestütztes Urteil.

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), Screenreader

Mehr dazu im Ratgeber: WCAG 2.2 AA: die Checkliste für Ihre Website

Assistive Technologie

Assistive Technologie umfasst Hilfsmittel, mit denen Menschen mit Behinderungen digitale Inhalte nutzen — etwa Screenreader, Bildschirmvergrößerung, Spracheingabe oder spezielle Eingabegeräte.

Verwandte Begriffe: Screenreader, Digitale Barrierefreiheit

BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz)

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act. Es verpflichtet viele Anbieter digitaler Produkte und Dienstleistungen dazu, diese barrierefrei anzubieten, und gilt seit dem 28. Juni 2025.

Betroffen sind unter anderem Online-Shops, Banking, Personenverkehr und weitere B2C-Dienste; der technische Maßstab ist WCAG bzw. EN 301 549.

Verwandte Begriffe: European Accessibility Act (EAA), EN 301 549, WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)

Mehr dazu im Ratgeber: BFSG: Wer ist betroffen?, EAA und EN 301 549 erklärt

Digitale Barrierefreiheit

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites, Apps und digitale Dokumente so gestaltet sind, dass Menschen mit Behinderungen sie wahrnehmen, bedienen und verstehen können — auch mit assistiver Technologie wie Screenreadern.

Maßstab dafür sind anerkannte Standards, allen voran die WCAG und die europäische Norm EN 301 549.

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz), Assistive Technologie

Mehr dazu im Ratgeber: BFSG: Wer ist betroffen?

EN 301 549

EN 301 549 ist die europäische Norm für die Barrierefreiheit von IKT-Produkten und -Dienstleistungen. Für das Web übernimmt sie die WCAG-Erfolgskriterien und ergänzt sie um weitere Anforderungen (z. B. für Hardware und Dokumente).

Sie ist der harmonisierte technische Maßstab, auf den sich EAA und BFSG stützen.

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), European Accessibility Act (EAA), VPAT (Voluntary Product Accessibility Template)

Mehr dazu im Ratgeber: EAA und EN 301 549 erklärt

Erfolgskriterium (Success Criterion)

Ein Erfolgskriterium ist eine einzelne, prüfbare Anforderung der WCAG — zum Beispiel 1.4.3 (Kontrast) oder 2.4.7 (sichtbarer Fokus). Konformität wird pro Erfolgskriterium bewertet.

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), Konformitätsstufen (A, AA, AAA)

European Accessibility Act (EAA)

Der European Accessibility Act (EAA) ist eine EU-Richtlinie, die für viele digitale Produkte und Dienstleistungen einheitliche Barrierefreiheitsanforderungen festlegt. Jeder Mitgliedstaat setzt sie in nationales Recht um — in Deutschland durch das BFSG.

Verwandte Begriffe: BFSG (Barrierefreiheitsstärkungsgesetz), EN 301 549

Mehr dazu im Ratgeber: EAA und EN 301 549 erklärt

Fokus-Indikator

Der Fokus-Indikator ist die sichtbare Markierung, die zeigt, welches Element gerade den Tastaturfokus hat (z. B. ein Rahmen um einen Button). Er muss deutlich sichtbar sein (WCAG 2.4.7, in WCAG 2.2 durch 2.4.11 zum Erscheinungsbild ergänzt).

Verwandte Begriffe: Tastaturbedienbarkeit, WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)

Mehr dazu im Ratgeber: WCAG 2.2 AA: die Checkliste für Ihre Website

Konformitätserklärung

Eine Konformitätserklärung dokumentiert nachvollziehbar, wie barrierefrei ein Produkt gemessen an WCAG bzw. EN 301 549 ist. Sie ist eine Selbstdeklaration auf Basis von Methodik und Evidenz — keine behördliche Zertifizierung.

Verwandte Begriffe: VPAT (Voluntary Product Accessibility Template), EN 301 549

Konformitätsstufen (A, AA, AAA)

Die WCAG kennen drei Konformitätsstufen: A (Mindestanforderung), AA (Standard für rechtliche Konformität) und AAA (höchste Stufe). Jedes Erfolgskriterium ist genau einer Stufe zugeordnet.

In der Praxis ist AA das Ziel — AAA ist nicht für alle Inhalte vollständig erreichbar.

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), Erfolgskriterium (Success Criterion)

Mehr dazu im Ratgeber: WCAG 2.2 AA: die Checkliste für Ihre Website

Kontrastverhältnis

Das Kontrastverhältnis misst den Helligkeitsunterschied zwischen Text und Hintergrund. Für WCAG AA gilt: mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text (WCAG 1.4.3).

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), Erfolgskriterium (Success Criterion)

Mehr dazu im Ratgeber: WCAG 2.2 AA: die Checkliste für Ihre Website

Landmark (Landmarke)

Landmarks sind Bereiche einer Seite mit klarer Rolle — etwa Navigation, Hauptinhalt oder Fußzeile —, ausgezeichnet durch HTML-Elemente wie <nav>, <main> und <footer>. Screenreader-Nutzer springen darüber gezielt durch die Seite.

Verwandte Begriffe: Semantisches HTML, Screenreader

POUR-Prinzipien

POUR fasst die vier Grundprinzipien der WCAG zusammen: wahrnehmbar (perceivable), bedienbar (operable), verständlich (understandable) und robust. Jedes Erfolgskriterium gehört zu einem dieser Prinzipien.

Verwandte Begriffe: WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), Erfolgskriterium (Success Criterion)

Screenreader

Ein Screenreader ist eine Software, die Bildschirminhalte als Sprache oder Braille ausgibt. Er stützt sich auf die semantische Struktur einer Seite — Überschriften, Landmarks, Beschriftungen und Alternativtexte.

Verbreitete Screenreader sind NVDA und JAWS (Windows), VoiceOver (Apple) und TalkBack (Android).

Verwandte Begriffe: Alternativtext (Alt-Text), WAI-ARIA, Assistive Technologie

Semantisches HTML

Semantisches HTML bedeutet, für jeden Zweck das passende Element zu verwenden — <button> für Schaltflächen, <a> für Links, Überschriften in richtiger Reihenfolge. So verstehen Browser und assistive Technologie die Seite ohne Zusatzaufwand.

Es ist die Grundlage jeder Barrierefreiheit und macht in vielen Fällen zusätzliches ARIA überflüssig.

Verwandte Begriffe: WAI-ARIA, Landmark (Landmarke)

Tastaturbedienbarkeit

Tastaturbedienbarkeit heißt, dass sich alle Funktionen einer Seite allein mit der Tastatur nutzen lassen — ohne Maus (WCAG 2.1.1). Dabei darf der Fokus nirgends hängen bleiben (keine „Tastaturfalle“, WCAG 2.1.2).

Viele Menschen mit motorischen Einschränkungen und Screenreader-Nutzer sind vollständig auf die Tastatur angewiesen.

Verwandte Begriffe: Fokus-Indikator, Screenreader

Mehr dazu im Ratgeber: Barrierefreier Checkout: 7 häufige Fehler

VPAT (Voluntary Product Accessibility Template)

Ein VPAT ist ein standardisiertes Dokument, das für jedes Kriterium festhält, in welchem Umfang ein Produkt es erfüllt (unterstützt / teilweise / nicht unterstützt). Es ist das gängige Format einer Barrierefreiheits-Erklärung.

Percelia leitet aus den Befunden eine solche Erklärung ab — abgezeichnet erst, wenn kein Befund mehr in der Prüfung offen ist.

Verwandte Begriffe: Konformitätserklärung, EN 301 549

Mehr dazu im Ratgeber: EAA und EN 301 549 erklärt

WAI-ARIA

WAI-ARIA ist ein Satz von HTML-Attributen, der assistiver Technologie zusätzliche Informationen über Rollen, Zustände und Eigenschaften von Bedienelementen gibt — vor allem dort, wo natives HTML nicht ausreicht.

Grundregel: erst semantisches HTML, ARIA nur ergänzend. Falsch eingesetztes ARIA schadet mehr, als es nützt.

Verwandte Begriffe: Semantisches HTML, Screenreader, Landmark (Landmarke)

WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)

Die WCAG sind der internationale Standard des W3C für barrierefreie Webinhalte. Sie sind in die vier POUR-Prinzipien und einzelne, prüfbare Erfolgskriterien gegliedert; die aktuellen Versionen sind WCAG 2.1 und 2.2.

Für die rechtliche Konformität in der EU ist üblicherweise die Stufe AA maßgeblich.

Verwandte Begriffe: Konformitätsstufen (A, AA, AAA), POUR-Prinzipien, Erfolgskriterium (Success Criterion), EN 301 549

Mehr dazu im Ratgeber: WCAG 2.2 AA: die Checkliste für Ihre Website

Kostenlosen Scan anfragen

Sagen Sie uns Ihre Domain — wir führen einen kostenlosen Erst-Scan durch und zeigen Ihnen die wichtigsten Barrieren.